Seit einigen Tagen pulsiert es zwischen den Synapsen, stolpert aufgeregt durch das Gestrüpp, like Ricarda Kimbel, immer auf der Flucht, begegnen einander, verworren, diffus und unausgegoren, meist vollkommen durchgeknallte Ideen. Wie auf einer Farm im wilden Afrika. Ich lasse sie laufen, denn nach einigen Tagen des überdrehten Hastens sind sie entweder in den unendlichen Weiten meines neuronalen Multiversums vollständig verdampft oder endlich reif und folgen mir dann willig in meinen entzückenden Mandelkern. So auch heute. Völlig erschöpft und am ganzen Körper zitternd lehnte die betreffende Idee an einer Synapse und folgte mir ohne zu Murren willig zum Altar der verbalen Zeremonien.
Was wäre, wenn...ist heute der Ansatz, mit dem es beginnt. Eine gedankliche Abstraktion, die jeder von uns bestimmt schon einmal durch seinen Kopf laufen ließ.
Was wäre...., wenn damals 1966 an der Linie ein anderer Linienrichter gestanden hätte...Was wäre, wenn ich damals statt „ja“ doch „nein“ gesagt hätte am Traualtar.. und so ließe sich das beliebig fortsetzen. Es gibt Historiker, die sich damit ausgiebig beschäftigt haben und herrliche Exkurse in die Vergangenheit veranstalten und dabei mitunter verblüffende Schlussfolgerungen offerieren. Nun möchte ich das hier nicht wiederkäuen, sondern diese Abstrahierung aufgreifen und erweitern.
Was wäre... wenn....anstelle...von
Damit möchte ich einmal den Aspekt beleuchten, wenn der Ereignisvorgang nicht nur leicht, sondern richtig komplex, in Raum und Zeit und den Personen verändert wird, sozusagen eine chronifizierte Blutgrätsche.
Heute Folge Eins, erste Näherung.
Wir gehen ein Stück zurück in der Zeitachse. Anfang der 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Ein dunkler Raum, das Fenster geöffnet, der Lauf des Scharfschützengewehres zieht leicht nach links und verharrt. Der Schuss bricht mit einem leisen Knall und auf der Tribüne sinkt ein Mann unter dem entsetzten Aufschrei der Menschen tödlich getroffen zu Boden. Der Mann am Fenster zerlegt routiniert mit geübten Griffen das Gewehr, verpackt es und entfernt sich ruhigen Schrittes. Lee Harvey Oswald hat soeben den kommunistischen Parteichef der sowjetischen Besatzungszone (SBZ), Walter Ulbricht, erschossen.*)
Ist das ein Kracher, meine Damen und Herren? Spüren Sie die langsam Fahrt aufnehmende
und immer schneller werdende Dynamik dieser kleinen Vertauschung? Erahnen Sie die Vielfalt der Möglichkeiten, die sich daraus ergeben?
Nun wollen wir dem ganzen mit dem Chrono - Turbolader richtig Tempo geben und verlegen den Zeitpunkt vom 22.11.1963 auf den ...sagen wir mal, in erster Näherung auf den 12.August 1961. Wir sind ja flexibel und können nach erfolgter Simulation den Zeitpunkt jederzeit verändern. Also, Erich, der Kelch ist noch nicht endgültig an Dir vorbeigegangen.

Walter hat die Maurerkelle schon in der Hand und schreit nach Mörtel, als ihn die Kugel trifft. Vom Mauern zu Manna. Der finale Rettungsschuss, allen fiel die Kelle aus der Hand und der Welt entging der antifaschistische Schutzwall genannt Mauer rund um Berlin.
Im fernen Griechenland lauschte währenddessen Aristoteles Onassis der zauberhaften Stimme seiner Geliebten, der Opernsängerin Maria Callas. Er ahnte in diesem Moment nicht, dass er wenige Wochen später um die Hand von Lotte Ulbricht anhalten würde. Und bis zu seinem Lebensende in den Katakomben der Lubjanka konnte er nicht begreifen, welcher Teufel ihn damals geritten hatte, insbesondere als er sich nach der Hochzeit zum Parteichef putschte und aus der drögen SBZ einen ausgedehnten Olivenhain mit angeschlossener Öltankerproduktion (VEB „12.August“ Onassis – Tanker - AG) machen wollte. Onassis - kommt von ihm der Ausruf 'Na, Ossis' ? - war auf dem besten Weg, die SBZ, diese volkswirtschaftliche Brache in einen aufstrebenden Industriestaat zu verwandeln, als auch ihn das Schicksal ereilte. Seine von ihm verlassene Geliebte Maria Callas angelte sich wenige Monate nach der schnöden Abschiebung bei einem Konzertgastspiel in Moskau den späteren Kremlchef Leonid Breschnew und infolge ihrer Infamie wurde der arme Aristoteles Onassis, als Breschnew an die Macht kam, wegen Hochverrats verhaftet und verschwand auf Nimmerwiedersehen in der Lubjanka. Die Verbindung zwischen Frau Callas und Herrn Breschnew zeitigte einen gesunden Jungen, Wladimir, der von einer staats- und parteitreuen Familie namens Putin adoptiert wurde. Stören Sie sich nicht an seinem rückdatierten Geburtsdatum. Da waren unsere russischen Freunde schon immer recht kreativ.
Ja, meine Damen und Herren, so schließt sich die Zeitschleife wieder. Bei derartigen Simulationen ist immer auf die Geschlossenheit der Zeitschleife zu achten.
Übrigens, zum gleichen Zeitpunkt, als die Kugel die Schädeldecke von Ulbricht durchschlug, erfuhr John F. Kennedy, als er in seine Beinkleider schlüpfte, von Marilyn Monroe, dass sie schwanger und im dritten Monat sei und ein Kind von ihm erwarte. Nicht weit davon schnurrte ein Tonbandgerät leise vor sich hin und als das Tonband im fernen Kuba abgespielt wurde, grinste der Mann mit der Zigarre und dem langen Bart hämisch.
*) Die Idee der Vertauschung von Kennedy und Ulbricht ist nicht von mir. Ich vervollständige sie nur.
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