Live zeitversetzt

Hase70Als ich gestern bei Einbruch der Dunkelheit vor dem lauten krakelenden Gezwitscher der bunten vielfältigen Vogelschar am See flüchtend zu Hause aufschlug, da schaute ich unter anderem in den Kühlschrank und auch in die große Farbschwafelröhre.
Dieserweiligst sind die tt 2008, die Berliner Theatertage 2008, und manches davon wird auch in der großen Farbschwafelröhre berichtet. Nicht dass es mich so sonderlich interessieren tät, nö, denn dann könnte ich mich ja auch in eine der zahlreichen Vorstellungen quälen. Doch einfach einen kurzen Blick zu werfen, auf dem Laufenden bleiben, das geht ja mal ganz gut mit der großen Farbschwafelröhre. Kann ich dann bei passender Gelegenheit mit kleinen unpassenden Verbalbrocken glänzen, möhöhö.
Lief auch was auf 3sat, in den letzen Zügen. Ein Stück von William S. Neu aufgearbeitet in einer Inszenierung von den Münchner Kammerspielen im Haus der Berliner Festspiele. Bayern in Preußen, das geht ja schon mal gar nicht.
Was mich erstaunte, war die Bezeichnung im Bildschirmtext „Live zeitversetzt“.
Was ist das denn? Jetzt von gestern? Heute früh am Nachmittag morgen am späten Abend? Live von vorgestern?
Live ist jetzt.
Und wenn es nicht jetzt ist, Gegenwart genannt, dann kann es nur noch Vergangenheit oder Zukunft sein. Doch wenn es Vergangenheit oder Zukunft ist, dann ist es nicht live.
Die Lösung ist trivial.
Früher hieß das, was da in 3sat lief, Aufzeichnung.
Doch das ist irgendwem im Fernsehen anscheinend zu trivial.
Bildschirmtext im verbalen Würgegriff der verbildeten Praktikantenschar.
Nebenbei, dass was ich sehen durfte, war Schrott. Deshalb gehe ich auch ungern zu Neuinszenierungen ins Theater. Die Gefahr des plötzlichen und/oder fortwährenden Erbrechens ist mir einfach zu groß. Herr Mörlin war auch noch sauer, weil zeitgleich (live zeitunversetzt?) ein Special von Britney Spears lief. Und Mr.Heid wollte Snooker gucken und ich wollte in Ruhe mein Eis (Dame blanche) löffeln.
Wir haben uns dann 23 Uhr auf „Fight Club“ mit Brad Pitt und Edward Norton geeinigt.
Für jeden etwas dabei.
Mr.Heid versuchte im Anschluss an den Film Herr Mörlin zu überreden, einen Satz aus dem Film zu wiederholen: „Ich will, dass du mich schlägst, so hart du nur kannst.“
Herr Mörlin wollte aber nicht. Er ist nämlich sehr sensibel.
Ach ja, es ist Sommer, etwas wärmer als sonst. Deshalb an die Verderblichkeit der Lebensmittel denken.
Ein Rat von Herrn Mörlin:
„Die meisten Lebensmittel kann man nicht länger aufbewahren, als die mittlere Lebenserwartung eines Hamsters beträgt. Sperren Sie einen Hamster in den Kühlschrank, um diesen Wert zu ermitteln.“ P.J. O’Rourke

morgengeschwafel in knight thoughts aus einem Türkencafe von unterwegs
wvs - 4. Mai, 11:51

"Live, zeitversetzt" ....

ein Paradoxon, das auch meine Aufmerksamkeit erregt ....
Wir sind offensichtlich schon soweit, daß schwarz = weiss ist!
'live' heißt doch wohl 'jetzt gerade' - nicht etwa gerade eben oder kurz zuvor ....
Diese Zeitversetzung stammt aus den - wer hätte es anders vermutet? - U.S.A. und soll verhindern, daß "Peinlichkeiten" über die Mattscheibe flimmern und das geehrte Publikum womöglich einen halbnackten Busen zu sehen bekommt - ein grauenvoller Anblick, der ALLE und JEDEN sofort zu einer Salzsäule erstarren ließe:
So steht es geschrieben!

Ein Grund mehr, Flimmerabstinenz zu üben ....

Das Radio ist ja nicht viel besser:
Der ohnehin 'schwache' WDR3' (Hörfunk, angeblich ein Kulturkanal !!) hat sich noch weiter von 'Kultur' entfernt - wie ich las werden immer weniger Wortbeiträge gesendet. Da kann man auch gleich auf einen Dudelmusiksender umschalten ....
Einzig NDR Kultur vermag da noch zu befriedigen:
Es gibt eine ausgewogene Mischung aus Beiträgen und Musik, die zudem (im Gegensatz zum WDR !!) auch noch der Tageszeit angpaßt ist, denn wer will schon am frühen Morgen ein Kammerkonzert anhören?

Theater:
Vor lauter "Experimenten" und "Neugestaltungen" und "Anpassungen an die neue Zeit und ein neues Publikum" gehen die tatsächlichen Werte verloren - kein Wunder, daß die Theater ums Überleben kämpfen wenn sie ihr 'klassisches' Publikum mit immer neuen Skandalpremieren traktieren .... Abo für's Theater? Nein. Danke! Damit ich mir Schrott auf der Bühne ansehen darf? Da gehe ich auf den Schrottplatz.

LIVE
- und zwar im wahren Sinne des Wortes!

pathologe - 4. Mai, 13:06

Eben

dieser von Herrn wvs ausgesprochene Gedanke kam mir auch gerade in den Sinn. Live zeitversetzt ist wohl die letzte Moeglichkeit des Senders, wueste Schimpfworte auszupiepsen. Um dem armen Publikum einmal mehr vorzuschreiben, was es gefaelligst zu hoeren habe. Oder respektive zu sehen.

Aber wieso bei Kultur? Und weshalb nicht bei politischen Sendungen? Gerade dort ist doch der Bedarf an Ausblendung geschmacksbeleidigender, und zwar des guten, Aeusserungen extrem hoch. Oder ist hier die Menschheit bereits so abgestumpft, dass selbst die Mitarbeiter der freiwilligen Selbstkontrolle das einzig Moegliche bei sich selbst zuerst tun, direkt nachdem es die Politiker bei sich taten: die endgueltige Abschaltung aller Kernkraftwerke bis 2010 des eigenen Gehirns mit Erreichen des Bueros.

Oder bedeutet live zeitversetz einfach nur das, was ich auch gerade mitmache: 3 Stunden den Herren voraus sein, da ich mich weiter oestlich auf dieser Kugel befinde?
wvs - 4. Mai, 14:08

@ Pathologe: Unserer Zeit voraus ....

- da ist schon ein Unterschied zu: "Seiner Zeit voraus" ..?!

[Ich finde die Einflechtung der AKW/Politik(-er) - so wie Du sie hier bringst - brilliant:
Du solltest überlegen, ob Du das Talent nicht irgendwie zu Geld machen kannst ....]
the white lake knight - 5. Mai, 20:30

Also wieder einmal das Nachäffen von der Justin Timberlake-Affäre mit dieser schwarzen Sängerin. Wie erbärmlich.
Weshalb nicht bei politischen Sendungen? Weil ARD und ZDF politische Sender sind. Abhängig von den großen Parteien.
@Pathologe
Abschalten des Gehirns setzt selbiges bei Politikern voraus. Wenn wir uns da mal nicht alle kräftig irren.

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