Die großen Ohren des Mr.Heid
Zu später Stunde, kurz vor Mitternacht, die altersschwache klapprige Standuhr holt gerade tief Luft für die letzten Schläge des Tages. Wir befinden uns in den feuchten dunklen Kasematten der zerfallenen Burg. Flackernder Fackelschein wirft düstere Schatten auf feuchte graue Wände und spiegelt sich in schrillschimmernden Pfützen. An einem grob gezimmerten wurmstichigen Holztisch sitzen Mr.Heid und Herr Mörlin im Schatten der Nacht.
„Das kannst Du nicht machen,“ flüstert Herr Mörlin aufgebracht und eindringlich.
„Warum denn nicht,“ zischt Mr. Heid zurück."Es macht doch so viel Spaß."
Höhnisch grinsend verzieht er sein graufahles schmales Gesicht.
Seine dunklen Augen flackern leicht und fangen an zu funkeln.
„Wer will es mir verbieten?“.
„Wenn das der Chef mitkriegt,“ ächzt Herr Mörlin. „das gibt drei Runden eiserne Jungfrau und anschließend einen Fußmarsch über glühende Holzkohle. Denk an das letzte Mal.“
Herr Mörlin duckt seinen kleinen zipfelbemützten Kopf und sieht sich ängstlich und verstohlen um. Doch nur ein leises Heulen des nächtlichen Windes und das knirschende gierige Schmatzen der Burgratten ist zu hören. Ein Käuzchen schreit seine Not durch die finstere Burg.
„Ach was,“ krächzt Mr.Heid, doch seine gelbspillrigen Nikotingriffel krampfen an der Tischkante und er verschüttet fast seinen kaltgewordenen Brennnesseltee.
“Er ist nicht da, wenn ich das mache. Deshalb habe ich doch Telefondienst.“
„Und wenn sich jemand beschwert?“ Angstvoll geduckt blickt sich Herr Mörlin erneut um.
„Wer soll sich denn beschweren? “
Mr.Heid kichert lautlos und hebt triumphierend den Kopf.„Denen am anderen Ende der Leitung ist doch ganz bestimmt bange, wenn ich mich zackig melde und sage: ‚Sie sind verbunden mit dem Sekretariat Schäuble. Mein Name ist Mielke. Sie wurden soeben abgehört!’“
gelauscht in seven sins and one mr.heid
the white lake knight - 3. Jul, 00:03


