
„Ich bin eine Bratwurst.“
Herr Mörlin spitzt die fahlen Lippen und die herabhängenden Ohren sowieso, schließt seine tiefbraunen Augen und lauscht dem leichten Nachhall der Worte, die seinem schmallippigen Mund gerade entschlüpft sind.
„Nicht schlecht,“ brabbelt er entzückt. “So könnte es gehen.“
„Pöh,“ grunzt Mr.Heid, vergraben im dicken Schafffell, aus dem Schaukelstuhl. „Was soll das werden? Und sie sagt dann: ‚Ich bin Pommes Rot-Weiß.' Sag mal, geht's noch?" Sein dünnes dreckiges Lachen lässt die Ohren von Herrn Mörlin flattern und dessen Gesicht verfinstert sich.
„Wieso denn nicht? Soll er sagen: ‚Ich bin ein Pflaumenkuchen’?. Das gibt doch wieder Ärger mit der Alice S. Im übrigen ist die mediale Reichweite einer Bratwurst größer. Und außerdem, sie hat damals gar nichts gesagt.“
Unwirsch fährt Herr Mörlin mit der tintenbefleckten Hand durch die Luft und sein schmächtiger Körper zittert vor Erregung.
„Dann ersetz doch die Bratwurst durch Schweinebacke. Da lachen sich alle scheckig und lassen ihn in Ruhe,“ prustet Mr.Heid, heftig mit dem Schaukelstuhl vor und zurück schaukelnd.
Herrn Mörlin neigt seinen Kopf zur Seite und zieht die Stirn in Falten.
„Also gut. Schlecht hört sich das ja nicht an.“
Er beugt sich vor und der schmutziggraue zerfaserte Federkiel kratzt eifrig über das Papier.
*Ich bin eine Schweinebacke.“
Mr.Heid rekelt sich wohlig grunzend im kuscheligen Schafffell und spitzt seine bläulichen Lippen.
„Hoffentlich hilft es. Keiner nimmt ihn danach ernst und sie lassen ihn leben. Nur, was machen wir mit den Eingeborenen? Die Stadt der Schweinebacken. Wenn das mal keinen Ärger gibt.“
Mit elegantem Schwung setzt Herr Mörlin den letzten Punkt hinter den Satz, betrachtet zufrieden grinsend den noch feuchten blaugrauen Schriftzug und seufzt leise.
„Jetzt müssen wir die Drehbuchänderung nur noch beim Chef der Schöpfung durchkriegen.“
Heute vor 45 Jahren sprach der amerikanische Präsident, J
ohn F. Kennedy, auf dem Balkon des Rathauses Schöneberg die legendären Worte:
“Today, in the world of freedom, the proudest boast is
‚Ich bin ein Berliner‘.“ *)
Worte der Hoffnung für eine Stadt im Ringen um die Freiheit.
Am 22. November 1963 wurde John F. Kennedy in Dallas erschossen. Seine Mörder wurden nie gefasst und sage keiner, das alles könnte nicht wieder passieren.
Passen Sie gut auf sich auf, Herr Obama. Die Welt braucht amerikanische Präsidenten mit Verstand und Verantwortungsgefühl.
Nachdenklich in knight and know
*) Übrigens, wir sagen Pfannkuchen dazu, denn wir sind schließlich keine Kannibalen. Hoffe ich jedenfalls. Nur die Auswärtigen sagen Berliner zum Pfannkuchen und die dürfen das. Kapieren doch eh nix, bis auf die vielen, vielen liebenswerten Ausnahmen.
Hier sind die Worte zu hören.