Mittwoch, 30. April 2008

Geschachert

dickschaedelVielleicht kennt das jemand.
Dumpf und tiefsinnig brütend vor der ausweglosen Stellung sitzend, Schweißperlen suchen furchend ihren Weg durch den Staub auf dem Gesicht und mitten in den furchtsam zögerlich aus dem finsteren Untergrund fast verschämt auftauchenden Gedanken an den einzig möglichen Zug, der aus dem Dilemma hilft, flüstert auf einmal eine leise, doch in der dunklen Stille wie ein Böller dröhnende blasierte Stimme: „Also ich würde ja jetzt den weißen Läufer ziehen.“ Der unvermutete Donner ist noch kaum verhallt, da ist der scheue und schüchterne Lösungsansatz in hastigen Sprüngen bereits wieder im Dickicht der Synapsen entschwunden und es bleibt nur ein Seufzer der Ausweglosigkeit und sich mit beiden Händen an die Tischkante zu klammern, damit nicht mit einer fies-heftigen Handbewegung das blöde Schachspiel samt Figuren laut polternd an die gegenüberliegende Wand kracht.
Schach ist ein Spiel für zwei Personen und wir sind drei.
Das Dilemma des schachlich unmöglichen Dreiers.
Hier ist einer zuviel.
Entweder ist es dann das laute Flüstern oder die Grimasse, mit der das Ausmaß dieser elenden Stellungskatastrophe suggeriert wird oder irgendwelche unnötigen abnervenden, meist raschelnden oder knisternden Handhabungen in der Nähe. Und so geschieht es in aller logischen Regelmäßigkeit, das einer von dreien stört, wenn die schwarzen und weißen Figuren auf dem Schachbrett stehen.
Lange wussten wir kein Mittel gegen die Langeweile des überflüssigen Dritten. Zeitweiliger Kerker des Dritten verdirbt auf Dauer die Stimmung in unserer Gemeinschaft.
Doch es gibt Menschenkinder, die wissen für alles eine Lösung.
Nicht in Problemen denken, sondern in Lösungen.
Lösungen aller Länder, vereinigt euch. Oder so ähnlich. (Wäre doch was für den 1.Mai ?)
Und nun haben wir auch die Lösung für unser Schachproblem gefunden.
Was für eine brillante Lösung.
Schach zu dritt, hexagonal.
Da wird sich Monsieur Hexadezimalkonverter bestimmt freuen, wenn er das sieht.

hexachess-for-three

Sigmund Wellisch, 1912. Three-handed hexagonal chess. This was among the first of the successful three-handed chess variants.
Es ist eine ritterfreundliche Schachvariante, denn jede Partei hat drei Springer (The Knight) zur Verfügung. Dafür entfallen die beiden Läufer, The Bishops. Ob das wohl der Kirche gefällt?

Und wer jetzt denkt, damit wäre aller Streit erledigt, der hat sich gewaltig getäuscht. Ich, der edle Weiße Ritter, habe die weißen Figuren, das ist ja klar und wird nicht angezweifelt. Aber weder Mr. Heid noch Herr Mörlin wollen ums Verrecken die roten Figuren. Sie suchen schon krampfhaft nach blauer virtueller Farbe. Und mit den Regeln und wie gezogen wird, damit hapert es auch noch etwas.
Doch wenigstens können wir jetzt zu Dritt Schach spielen.
Hexagonal.

Geschachert in knight and know

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