Mittwoch, 27. Juni 2007

Hunde und Flöhe – eine gedankliche wahl

Physiker sind verschiedentlich seltsam, doch zum glück meistens harmlos, sieht man von solchen wie Herrn Teller ab, der die schnauze von seinem porzellan gestrichen voll hatte und leider erfolgreich auf ein mieses gebiet wechselte. Normalerweise sitzen sie nur so herum, spielen geige und lassen die zunge heraushängen. Dabei sollen die entscheidenen gedanken in ihren hirnen entstehen. Während in der pharmaindustrie reihenweise durch grausame versuche und ekelhafte testreihen unschuldige tiere gequält und zu tode gebracht werden, ist der transmeditierende physiker in der lage, diese Quälereien gedanklich elegant zu umgehen.
Ein erstes beispiel, allerdings immer noch bedenklich, sind die versuche mit jungen katzen durch einen neurophysiologen (sorry, fast physiker) namens Colin Blakemore aus Oxford, ein beweis, das dort nicht nur gerudert wird. So hat er in zwei getrennten gruppen junge katzen großgezogen, die entweder nur waagerechte oder senkrechte balken in dieser zeit sahen. Nach fünf monaten erfolgte ein wechsel der räumlichkeiten für die miezen. Und, na klar, die konnten die neuen balken nicht sehen, weil sie die nicht sehen gelernt hatten. Das ganze nennt sich heute selektive erziehung. Leider entblödete sich Herr B. nicht, den armen miezen die köpfchen zu öffnen, um in der hirnrinde nach speziellen hirnzellen für die balken zu suchen. Gefunden hat er entweder die einen oder die anderen. Hätten Sie sich doch denken können, Herr Blakemore! Eigenes hirn vorher einschalten und nicht die armen miezen meucheln!
Sind diese versuche immer noch makelbehaftet, da am lebenden miezekätzchen, so begnügt sich der geniusbehaftete physikus mit eigenem hirn und eigener zunge und zaubert nur kraft des genialischen funkenfluges zwischen seinen synapsen begeisterndes hervor. Bekannt ist die einquartierung einer katze in ein allseits geschlossenes kästchen. Nachteilig für die mieze ist dabei die anwesenheit einer glasampulle mit zyankali sowie die abhängigkeit von einem radioaktiven material, dass innerhalb einer zeit t mit 50% wahrscheinlichkeit zerfällt, damit
durch einen mechanismus einen hammer betätigt, der die ampulle zerstört, und somit die katze von X nach Y befördert. Gedanklich, rein gedanklich.
Diese ganze geschichte wird von physikern gern auch als superpositionsprinzip*) bezeichnet, was mir nun gar nicht einleuchtet. Wie kann ein leben unter radioaktivität und in der nähe von zyankali eine super position sein, meine herren physiker? Einmal ausprobiert? Etwa gelebt ?
Auch wird oft argumentiert, dass die katze am leben bleibt, solange niemand den kasten öffnet und nachschaut, ob sie noch lebt. Nur, irgendwann braucht sie neues futter und das katzenklo da drin muss schließlich auch gereinigt werden. Da hat der Herr Schrödinger wieder einmal nicht bis zu ende gedacht. Aber so sind sie, die herren physiker, zunge raushängen lassen, geige spielen und die arme mieze kann zusehen, wo sie bleibt. Und sich seit vielen jahrzehnten über diese ganze geschichte streiten. Das geht dann soweit, dass leute wie Stephen Hawking verkünden, wer noch einmal Schrödingers katze in seinem beisein erwähne, den würde er mit seiner schrotflinte erschießen. Real, nicht in gedanken!
Und vor hundert jahren haben die ehrenwerten gedankenakrobaten ein modell diskutiert, das
als ach so harmlos bezeichnet wurde. Viele studenten sehen das beim hilflosen schmatzen ihrer letzten hirnmoluskeln heute völlig anders. Um gleichgewichtsverteilungen zu verdeutlichen, beschloss man, zwei hunde nebeneinander laufen zu lassen. So weit, so gut. Daran ist an sich noch nichts anstössiges, wenn bei den beiden hunden auf gewisse gleiche gegebenheiten geachtet wird. Doch nun wird es fies. Einem der hunde wird am start eine große zahl flöhe ins fell gesetzt. So sind sie, die physiker, rücksichtslos und nur auf ihren spass aus, wohlgemerkt in gedanken. Während des laufens wird beobachtet, wie lange es dauert, bis sich durch Hin- und Herspringen die zahl der flöhe gleichmässig auf beide hunde verteilt. Natürlich muss dabei darauf geachtet werden, dass die flöhe nicht eine vorliebe für den einen oder anderen hund entwickeln, was weiteren statistischen aufwand bedeutet.
Mit dieser gleichgewichtsverteilung, etwas ausgeschmückt, bringt man seit jahrzehnten studenten aus dem gleichgewicht und hin zu verzweifelter apathie. Was das soll?
Nun, stellen Sie sich einfach vor, verehrte leserInnen, die beiden hunde wären volksparteien und die flöhe die wähler, möhöhö. Viel spass beim ausmalen des gedanklichen experiments.

Zu Ehren des Physikerpaares Tatjana und Paul Ehrenfeld, die vor 100 Jahren wesentliche Betrachtungen zur statistischen Natur der Gleichgewichtsprozesse machten und für alle Physiker überhaupt, denen wir die Grundlagen fürs Bloggen verdanken und leider auch RTL.
Lesende fachleute mögen mir grobe vereinfachungen verzeihen. Und wenn nicht, who cares.
*) Überlagerungszustand, Kollaps der Wellenfunktion , Kopenhagener Prinzip,
Vielwelten - Interpretation, zu verdanken Herrn Schrödinger 1935

eingespielt in knight and know

sunday roses

schwanenkueken2008-2

the emotional crew on the road again

Aktuelle Beiträge

Schade, dass ich hier...
Schade, dass ich hier nix hören kann:-(
flyhigher - 9. Okt, 08:37
*lach* so kann man es...
*lach* so kann man es auch ausdrücken........
Blitzi - 9. Okt, 06:31
Eine ...
..gelungene Kombination. Was nutzt das Anschmeißen...
the white lake knight - 8. Okt, 20:57
Einfach genial der Mann....
Einfach genial der Mann. Da sollte wirklich der eine...
Blitzi - 8. Okt, 12:18
Ein
sehr guter Tutor.;)
the white lake knight - 8. Okt, 09:14

Web Counter-Modul

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Suche

 

Status

Online seit 498 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 9. Okt, 08:37

Credits

Knallgrau New Media Solutions - Web Agentur für neue Medien

powered by Antville powered by Helma


xml version of this page
xml version of this page (with comments)

twoday.net AGB

Archiv

Juni 2007
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 
 
 
10
 
 
 

Impressum
knight and know
knight feeling
knight life
knight stick
knight thoughts
knight travel
marginal
morgengeschwurbel
mörlin mörtelt
Seven sins and one mr.heid
the saga
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren